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Bürgerinitiative gegen die Rennstrecke und
das Fahrsicherheitstrainingszentrum in Äpfingen
Gem. Maselheim
BI Riedhalde Äpfingen

Motopark – alarmierende Erkenntnisse aus einer Erkundungsfahrt nach Oschersleben zurück


In der Debatte um den geplanten Motopark Schwaben bei Äpfingen hatte sich im Juli 2003 eine Bürgerinitiative (kurz BI) gegründet, die sich seither tiefgründig mit den Vor- und Nachteilen dieses Projektes beschäftigt und eindeutig zu der Erkenntnis kommt, dass die Nachteile dieses Freizeitprojektes schwerwiegend sind und erheblich überwiegen.

Einige Befürworter des Projekts, u.a. auch der Bürgermeister der Gemeinde Maselheim, unterstellten der BI mehrfach, sie stütze ihre Argumente nur auf „Vermutungen und Behauptungen“. Dies wird der BI in dem in dieser Woche verteilten Flugblatt des Betreibers erneut unterstellt. Die BI, die stets darauf bedacht ist, nur mit sachlicher Korrektheit und fachlicher Kompetenz dieses Thema zu diskutieren, beschloss, in einer „Studienfahrt“ zum Motopark Oschersleben, die Fakten vor Ort zu ergründen. Ziel war es, selbstkritisch die eigene Beurteilung des Projekts auf den Prüfstand zu stellen. Die Anlage in Oschersleben hat ähnliche Abmessungen, wie die in Äpfingen geplante Anlage.

Mit sechs Vorstandsmitgliedern machte sich die BI dann am frühen Samstag Morgen im Kleinbus auf die fünfstündige Reise nach Oschersleben bei Magdeburg. Vor dem Eingang stand ein großes Zelt, das - wie später erläutert wurde - für die Abend- und Nachunterhaltung der Besucher diente. Danach fuhr die BI in Richtung erste Wohnsiedlung, die nach einem großen Industriegebiet, ca. 2,5 km entfernt, zum Motopark liegt. Mehrere Bürger wurden dort befragt. Weitere Interviews folgten später auch in der Stadtmitte und im ca. 2,9 km vom Motopark entfernten Günthersdorf. Die Aussagen aller Befragten waren insgesamt sehr ähnlich. Nachfolgend in Kurzform die Ergebnisse zu den verschiedenen Aspekten. (in etwa wörtlich wiedergegeben)

BI: „Lärmproblem?“ Antworten: „Größtes Problem ist der Lärm, vor allem wenn die Windrichtung noch ungünstig ist.“ „Selbst das Hochschalten jedes Ganges ist dann noch zu hören.“„Die Leute im gegenüberliegenden Stadtteil (ca. 3 km) beschweren sich ebenfalls oft, fragen Sie auch dort nach!“ „Manchmal könnte man meinen, die Lautsprecher wären vor dem Fenster.“„Wir können hier nicht wegziehen, wir haben keine Wahl – uns verbleibt nur, das Fenster auch tagsüber zu schließen.“ „Schlimm ist es auch am Freitag und Samstag, wenn bis zum frühen Morgen mit lauter Musik gefeiert wird. Die BI ermittelte mit einem Schallpegelmessgerät im Abstand von 2,5 km einen Ruhelärm im Wohngebiet von 42 dB(A) und während des Rennens einen Anstieg auf über 60 dB(A). In Äpfingen soll laut Gutachten im Abstand von 1 km „nur“ 55 dB(A) auftreten. Im Motopark wurden später im Abstand von ca. 25 Meter Spitzenwerte von ca. 118 dB(A) bei nur zwei Motorrädern gemessen, was als Schmerzgrenze in den Ohren empfunden wurde. In Äpfingen sollen die Rennfahrzeuge einen Emissionspegel von 135 dB(A) an der Lärmquelle erzeugen. Die befragte Polizei erwähnte, dass es oft auch Lärmbeschwerden gibt.

BI: „Müllproblem?“ Antworten: „Insgesamt ist dies kein großes Problem, jedoch reisen Sonntag abends viele Besucher wieder ab, die nebst Müll oft sogar ihr Zelt auf dem Campingplatz hinterlassen.“ Später fand die BI neben den Ausfahrtsstraßen vom Motopark einige leere Schnapsflaschen in den Wiesen. Innerhalb des Motoparks war es sauber.

BI: „Arbeitsplätze?“ Antworten: „Der Motopark hat Oschersleben gar nichts gebracht. Anfangs gab es die Idee, Würstchenbuden etc. auf dem Gelände zu betreiben - die sehr hohen Standmieten waren für uns nicht finanzierbar.“ „Es gibt ein paar Geschäfte, die am Wochenende etwas mehr verkaufen, wenn sich die Besucher das Frühstück besorgen.“ „Ansonsten halten sich die Motorfans hauptsächlich im Motoparkgelände und angegliedertem Zeltplatz auf.“ „Uns wurde vor ca. acht Jahren hier vieles versprochen - nichts davon kam, außer dem Lärm.“

BI: „Steuereinnahmen?“ Antworten: „Der Motopark kämpft trotz hoher Besucherzahlen seit längerem gegen die Insolvenz, der Betreiber zuvor mußte aus finanziellen Gründen aufgegeben. Steuereinnahmen gibt es daher nicht.“

BI: „Verkehr?“ Antworten: „Heute ist es normal, aber oft kommen auch Tausende Besucher; dann spürt man dies auf den Zufahrstraßen deutlicher und es gibt auch Staus.“

BI: „Gab es keinen Widerstand vor Baubeginn?“ Antworten: „Nach der Wende wurde uns damals von den Auftraggebern Arbeitsplätze und Steuereinnahmen versprochen. Die Bevölkerung und viele Kommunalpolitiker standen daher anfangs begeistert diesem Projekt gegenüber. Organisierter Widerstand bildete sich nicht. Heute würden wir uns dagegen zur Wehr setzen!“

Radiusbild von Äpfingen bis ca. 5 km
bitte hier klicken zum Vergrößern
Der anschließende Besuch im Motopark brachte auch Aufschluss über die Shows, die für die Besucher neben der Rennbahn stattfanden, u.a. ein Wettbewerb darüber, wer am Auspuff seines „aufgemotzten“ Autos den höchsten Schallpegelwert erreicht. Fahrerteams und ihre mitgebrachten Mechaniker schraubten überall eifrig an ihren Rennfahrzeugen. Auch eine Betankung aus einfachen großen Plastikbehältern wurde beobachtet. Das ganze Spektakel erscheint aus technischer Sicht auf den ersten Blick evtl. faszinierend. An der Rennstrecke wurden noch Messungen des im wahrsten Sinn ohrenbetäubenden Lärms gemacht.

Auf dem Heimweg wurde schnell Einigkeit über die Erkenntnisse des Tages erzielt. Die bisherige Einschätzung der Nachteile des Motoparks durch die BI wurde eindeutig durch die Beobachtungen und Befragungen bestätigt. Das Lärmproblem offenbarte sich noch erheblich dramatischer, als es durch die BI bisher angenommen wurde. Vorteile für die nähere Umgebung gibt es praktisch keine.

Der Abstand eines Motoparks zu Äpfingen muß als erheblich zu gering beurteilt werden.

Die BI rät dringendst jedem Entscheidungsträger, sich vor Ort bei den dortigen Bürgern objektiv über die wahren Verhältnisse zu informieren. Eine Abstimmung nur „am grünen Tisch“ über dieses Projekt wäre aus Sicht der BI völlig verantwortungslos.

Die befragten Bürger in Oschersleben können sich nicht alle irren!

Zu den Bildern: Bei den Gesprächen wurde verschiedentlich darauf hingewiesen, dass der Lärm auch in einer Entfernung von 5 km störend zu hören ist. Der linke Kartenausschnitt zeigt das Gebiet um Oschersleben, mit den Radien der Entfernungen. Die rechte Karte zeigt die gleichen Radien im gleichen Maßstab um den Motopark in Äpfingen. In der unteren Karte ist zusätzlich noch mit dem kleinen Radius die Entfernung zu Äpfingen gekennzeichnet.
Der Mittelpunkt der Kreise entspricht jeweils dem Standort, bzw. geplanten Standort des Motoparks.

Internetadresse Motopark: www.motopark.de

Sie haben die Möglichkeit über das Internet an der Unterschriftenaktion teilzunehmen.
Hier kommen Sie zur zur Unterschriftenaktion . Sie können dort Ihre Stimme abgeben.



Noch einige technische Erläuterung zum Lärm und zum Begriff Dezibel bzw. dB(A):
Der Lärmpegel für das menschliche Ohr wird in Dezibel dB(A) angegeben.

Hierbei entsprechen:


40 dB(A) einem Kühlschrank
50 dB(A) Geräusche in Geschäftsräumen
55 dB(A) mechanische Schreibmaschine in 1m Abstand
60 dB(A) normale Unterhaltung / Fernseher Zimmerlautstärke
70 dB(A) Straßenrand Hauptverkehrsstraße
90 dB(A) Presslufthammer in 7m Abstand
100dB(A) Kreissäge in 7m Abstand
110dB(A) Propellerflugzeug in 7 m Abstand
120dB(A) Verkehrsflugzeug in 7m Abstand Schmerzschwelle
130dB(A) Düsenjäger in 7m Abstand

Es ist zu beachten, dass der Maßstab in dB(A) exponentiell ist, dass bedeutet, das z.B.
55 dB(A) + 55 dB(A) nur 58 dB(A) ergibt (nicht 110 dB(A))
60 dB(A) ist 10 mal mehr als 50 dB(A)

    Bürgerinitiative „Riedhalde Äpfingen“ (www.bi-riedhalde-aepfingen.de)

    Impressum © Bi Riedhalde Äpfingen 2003