MASELHEIM -Der Bürgerentscheid in Sachen "Motopark Schwaben" auf Gemarkung Äpfingen fand am Montagabend wie berichtet nicht das erforderliche Quorum im Maselheimer Gemeinderat. Wie geht es nun weiter? Die SCHWÄBISCHE ZEITUNG befragte hierzu Bürger- meister Elmar Braun und seinen Hauptamtsleiter Robert Hochdorfer sowie Helmut Enderle, den Pressesprecher der Äpfinger Bürgerinitiative Riedhalde.
Die Frist für die Bürgerschaft, Bedenken und Anregungen gegen den Bebauungsplan Riedhalde schriftlich bei der Gemeinde einzureichen, ist abgelaufen. Auf ungefähr 110 bis 120 Einsendungen taxieren Elmar Braun und Robert Hochdorfer die Menge, wobei der größte Teil aus der Nachbargemeinde Warthausen stammen würde.
Braun, der bei der montäglichen Gemeinderatssitzung auch für die Änderung der Hauptsatzung gestimmt hatte, sicherte zu, dass die Bedenken und Anregungen aus den Nachbargemeinden genauso gründlich gewichtet und abgewogen werden wie die aus Maselheim mit seinen Teil- orten. "Alle erhalten eine Eingangsbestätigung", fügte er an.
Robert Hochdorfer glaubt, dass nach Sichtung eine Katalogisierung möglich sein könnte. Einige Argumente hätten sich bereits überholt, andere gehen in unterschiedlichen Schreiben in die gleiche Richtung. Eine weitere Gruppe bringe dagegen entweder neue Argumente oder solche, die rechtlich recht schwierig zu beantworten sind. Mit aus diesem Grund habe die Gemeinde Maselheim Prof. Peter Emsberger, Fachanwalt der Biberacher Kanzlei RSW, beauftragt, juristisch die Abwägungsvorgänge seitens der Gemeinde abzusichern. Gemeinsam wolle man auch einen Regel-Katalog für den gesamten Motopark- Betrieb erarbeiten. Ziel: ein öffentlichrechtlicher Vertrag mit der Betreibergruppe.
Doch noch stehe man mitten im Verfahren: Bis nächsten Freitag laufe noch die Anhörung von Trägern öffentlicher Belange. Es stehe noch das Gutachten zur Umweltverträglichkeit des Projektes aus, und der gesamte Abwägungsvorgang sei noch zu bewältigen. Erst danach werde vom Gemeinderat der entsprechende Satzungsbeschluss vorgelegt. Die Verwaltung rechne damit, dass dies frühestens im Frühjahr der Fall sein kann. Im Anschluss würde man die gesamten Verfahrensunterlagen ans Landratsamt zur Rechtsprüfung zuschicken.
Für die Bürgerinitiative nannte ihr Sprecher Helmut Enderle als neue Möglichkeit die Anrufung des Petitionsausschusses, was derzeit vorbereitet werde. Über die Pro-Entscheidung einiger Gemeinderäte sei er einiger- maßen überrascht gewesen. Doch nach wie vor könne er die Argumentation nicht verstehen, dass ein Bürgerentscheid mit Auszählung nach Ortsteilen die Gemeinde spalten würde. Dies werde auch der Fall sein, wenn die Anlage komme, sagte er. Helmut Enderle fügte noch an: Die Rechnung, dass selbst, wenn sich alle Äpfinger gegen das Projekt ausgesprochen hätten, die 30 Prozent nicht erreicht wor- den wären, könne er nicht nachvollziehen. Gerade beim Austragen von Flug- blättern haben BI-Mitglieder in den ardderen Ortsteilen vielfach Solidarität er- fahren dürfen. .
Die Haupttargumente seines Widerspruchs: Uber allem stehen bei ihm Zweifel am Lärmgutachten. So rügt er am überarbeiteten Gutachten, dass ein Emissionsschallpegel für die Kartbahn fehle. Und die Lärmimmission während der Fahrtzeiten liege deutlich über 55 dB(A). Da die Lärmbelästigung mindestens an der Grenze liege, sei zudem eine Ausdehnung Äpfingens in Richtung Westen/Süden auf absehbare Zeit komplett verbaut und das Projekt stelle auch eine Lärmhypothek für zusätzliche Gewerbebetriebe dar.
Helmut Enderles Bruder Reinhold fasst seine ebenfalls in einen Widerspruch gegossene Bedenken so zusammen: Zeitlebens habe er den Lärm der B30, dies soll sich nicht noch verstärken durch zusätzlichen Verkehr. Weiterhin erhöhe sich der Durchgangsverkehr durch Äpfingen. Und die Schreiberin Doris Dolkemeyer begründet ihre Sorge um Gesundheitsbeeinträchtigung durch Freizeitlärm so: "Langer andauernder und regelmäßig wiederholter Lärm größer als 85 dB(A)" führe zu sukzessive abnehmender Hörempfindlichkeit und häufig zu Tinnitus. Sie fordert von der Gemeinde Maselheim verantwortliches Handeln zur Lärmminderung.
© SZ Biberach Michael Hänssle