Für den geplanten Motopark bei Äpfingen ist das Lärmgutachten da. Ergebnis: Für die Äpfinger wird es nicht lauter als erlaubt. Das beruhigt aber nicht die Gemüter.
Der TÜV Süddeutschland hat für die Gemeinde Maselheim untersucht, wieviel Krach die Anlage für Fahrzeugtests, Fahrsicherheitstraining und Kart-Rennsport in der früheren Äpfinger Kiesgrube machen würde. Den sogenannten Motopark will eine Investorengruppe erstellen, zu der unter anderem die Kieswerke Dünkel als Grundstückseigner zählen.
Das "Schalltechnische Gutachten" des TÜV lässt sich so zusammen fassen: Der Betrieb des Motoparks wird in dem Maselheimer Teilort Äpfingen an mancher Stelle und zu manchen Zeiten zu hören sein.
Lauter als erlaubt wird es aber in keinem Fall. Der Gesetzgeber hat für Wohngebiete Lärmgrenzwerte gesetzt, die laut Gutachten selbst im lautesten FalI, wenn sonntags zwei Dutzend Renn-Karts über die geplante Rundstrecke donnern. nicht überschritten würden. Die nächsten Wohnhäuser sind 900 Meter von der Strecke entfernt, die einen Wall um sich herum haben soll. Damit, so erläutert Maselheims Bürgermeister Elmar Braun, werde es in Äpfingen in der Praxis kaum lauter zugehen als jetzt, wo ja auch die vorbei führende B 30 zu hören sei.
Den Vergleich der Anlage mit dem Motopark in Oscherslebenbei Magdeburg, vorgenommen von der Bürgerinitiative, hält der grüne Bürgermeister (dessen Haltung sogar der Bild-Zeitung jüngst eine Meldung wert war) für Unsinn. "Das ist eine Formeltaugliche Strecke mit Tourenwagen- und Dragster-Rennen." So etwas habe niemand für Äpfingen im Sinn.
Bald Bürgerversammlung
Wie aber will die Gemeinde verhindern, dass die Betreiber zuerst tiefstapeln, den Maselheimern dann aber doch eine ausgewachsene Rennpiste vor die Haustür setzen'? Dafür gebe es Auflagen für die Betreiber, versichert Braun. Im Bebauungsplan stehe drin, dass besonders laute Karts nicht auf der Strecke fahren dürften. Vor allem sei die Zahl der (Renn-)Veranstaltungen auf zehn pro Jahr beschränkt. Ansonsten werde vor allem Fahrsicherheitstraining gemacht. Das Landratsamt werde emissionsrechtliche Auflagen erlassen, um die zulässigen Betriebszeiten und die Ruhetage zu regeln. Allerdings werde auch samstags und sonntags Betrieb sein im Motopark.
INFO: Zur Erläuterung der Planungen des Motopark-Projekts bei Äpfingen veranstaltet die Gemeinde Maselheim eine Bürgerversammlung am Montag, 20. Oktober, 19.30 Uhr, in der Mehrzweckhalle Äpfingen.
Über den Schatten springen
Die Initiatoren des Motopark haben eine wichtige Hürde genommen: Der TÜV gibt in Sachen Lärmschutz grünes Licht für das umstrittene Projekt, er nimmt der Bürgerinitiative damit im Grunde ihr wichtigstes Argument. Das darf aber kein Grund sein, nun die Test- und Rennpiste in der alten Äpfinger Kiesgrube durchzupeitschen und die Lärmgrenzwerte bis zum Anschlag auszuschöpfen. Denn. nicht alles, was erlaubt ist, ist auch sinnvoll. Es ist völlig legitim, wenn die Äpfinger sich um ihre Sonntagsruhe sorgen und erstmal ablehnen, was ihnen keinen direkten Nutzen bringt und im schlimmsten Fall die Lebensqualitiät nachhaltig verderben kann. Auf die Maselheimer Bürgervertreter warten da einige Hausaufgaben. Sie müssen den Leuten noch mehr klar machen, welchen Nutzen sich die Gemeinde vom Großprojekt erhofft, für das die Betreiber gar europäische Dimensionen beschwören. Sie müssen die Betreiber in die Pflicht nehmen, ihre Versprechen für einen gemeinschaftsverträglichen Betrieb des Motoparks in verbindliche Formen zu bringen: An der glasklaren Regelung sämtlicher Lärmschutzvorkehrungen führt kein Weg vorbei. Und zum dritten müssen die Komunalpolitiker ihren Maselheimern ehrlich sagen, wann, wo und wie es durch den Motopark in Äpfingen lauter zugehen wird als bislang, Lärmgrenzwerte hin oder her. Während Bürgermeister Braun dies alles auch zuzutrauen ist, hat die Bürgerinitiative einen langen Schatten, über den sie springen muss. Sie müsste eigentlich ihren Totalwiderstand gegen das Projekt aufgeben und sich auf Machbares beschränken: nämlich das Ausschöpfen und Sicherstellen der möglichen Lärmschutzmaßnahmen. Würde hingegen ihr aktueller Standpunkt "im Zweifel darauf verzichten" zum Maßstab, dürfte nirgendwo mehr irgend etwas gebaut werden.
© Wochenblatt Biberach Uli Landthaler
Originalartikel